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Im Wasser der Ostsee: Experten beobachten beunruhigendes Phänomen

Pünktlich zur Feriensaison freuen sich viele schon auf ihren nächsten Sommerurlaub. Einige verschlägt es dabei auch an die deutsche Ostseeküste. Doch Experten berichten dort nun von einer beunruhigenden Entwicklung.

Ein Knäuel Algen liegt an einem Ostseestrand.
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Hormone im Trinkwasser: Ein wachsendes Problem

Die Bemühungen, unser Trinkwasser rein zu halten, werden immer größer. Hormone im Trinkwasser sind ein stetig wachsendes Problem.

Ob Rügen, Fehmarn oder Usedom, jeden Sommer lockt die Ostsee zahlreiche Besucher*innen auf ihre Inseln. Diese freuen sich dabei vor allen, auf ein paar entspannte Stunden am Stand. Doch im Wasser des Binnenmeeres lässt sich seit Jahren ein besorgniserregendes Phänomen beobachten. Dieses könnte auch Auswirkungen auf den Tourismus haben.

Ostsee: Wassertemperaturen geben Anlass zur Sorge

So werden sowohl die Nord- als auch die Ostsee seit den 1990er-Jahren immer wärmer. Vor allem letztere ist davon stark betroffen. Denn aufgrund der meist eisigen Temperaturen in Nordeuropa war diese im Langzeitverlauf stets das kühlere Meer. Nun nähert sich das Gewässer mit seinen jährlichen Durchschnittstemperaturen jedoch immer mehr der Nordsee an. Letzten Monat hat es diese sogar übertroffen.

Im Juni war es in der Ostsee 15,7 Grad warm. Normalerweise ist es um diese Zeit 3,1 Grad kälter, wie Zahlen des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie zeigen. Auch die Nordsee lag mit 13,4 Grad deutlich über dem langjährigen Mittel. Worüber sich viele Urlauber*innen zunächst gefreut und für einen erfrischenden Sprung ins Wasser genutzt haben dürften, könnte jedoch fatale Folgen haben.

Denn die Erwärmung verstärkt das Wachstum von Mini-Algen. Diese entziehen dem Wasser Nährstoffe und sinken nach einiger Zeit auf den Meeresboden. Dort werden sie von Bakterien zersetzt. Zurück bleibt ein dicker Bodensatz, der anderen Meeresbewohnern das Leben dort massiv erschwert. Doch nicht nur Pflanzen und Tiere sind davon betroffen. Dies könnte nämlich auch Folgen für deinen nächsten Sommerurlaub haben. Denn große Mengen angeschwemmter Algen machen Strände unwirtlich und bei zu vielen Blaualgen im Sommer wird oft ein Badeverbot verhängt.

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Folgen für die Fischerei

Der Grund für die Erwärmung der Meere sei der Treibhauseffekt, wie der Klimawissenschaftler Markus Meier vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde gegenüber dem NDR mitteilt. Dieser treffe die Ostsee besonders hart. Denn dabei handelt es sich um ein Binnenmeer. Das bedeutet, sie ist beinahe ausschließlich von Land umgeben und hat kaum Austausch mit anderen Meeren oder einen direkte Verbindung zum Ozean wie die Nordsee.

Im Winter friert die nördliche Ostsee bei Finnland und Schweden normalerweise zu. Das hat den großen Vorteil, dass die Eisfläche dann den Großteil der Sonnenenergie zurückwirft. Das darunter liegende Wasser nimmt dann keine Wärme auf. Doch in den letzten Jahren hat das Eis der Ostsee immer weiter abgenommen. Dies löst einen wahren Teufelskreis aus. Ohne die schützende Eisdecke im Winter wird das Wasser immer schneller erwärmt und im nächsten Winter friert dann eine noch geringere Fläche zu.

Dadurch könnte auch bald sehr viel weniger leckerer Ostsee-Hering auf unseren Tellern landen. Denn auch die Fischerei bekommt die Folgen der Wassererwärmung deutlich zu spüren. So führen höhere Wassertemperaturen im Winter dazu, dass die Fische in manchen Regionen im Frühjahr zwei Wochen früher laichen und sich die Eier zudem noch schneller entwickeln.

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Treibhausgase reduzieren

Insgesamt drei Wochen lang finden die geschlüpften Heringe dann zu wenig Nahrung. Deshalb würden nur noch halb so viele Jungtiere überleben wie Mitte der 1990er-Jahre. „Wir können nachweisen, dass diese Entwicklung schon heute mindestens zur Hälfte auf den Klimawandel zurückzuführen ist“, erklärt Christopher Zimmermann, Leiter des Thünen-Instituts für Ostseefischerei.

Dies unterstreicht auch Meier und betont, dass die Erwärmung von Nord- und Ostsee sich zwar zunächst nicht stoppen lasse, weil es viele Jahre brauchen werde, bis sich eine Begrenzung der Treibhausgase auswirkt. “Doch eine Reduzierung ist der einzige Weg”, so der Klimaforscher.

Quellen: Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie, NDR

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